Das Museum der Stadt Bad Radkersburg befindet sich seit Mitte der
1950er Jahre im ehemaligen, aus dem 16. Jahrhundert stammenden Zeughaus
der steirischen Landstände.
Mit der Neueröffnung im Mai 1998 versteht sich das “Museum im alten
Zeughaus” nunmehr als historisch-volkskundliche aber auch aktuelle
“Visitenkarte” der Stadt und ihrer Umgebung. Der Rundgang durch das
Museum ist wie ein Gang durch die Geschichte. Er beginnt in der Vor- und
Frühgeschichte, die im großen und ganzen “im Dunkeln” liegt, und
endet mit einem Blick auf mögliche Perspektiven für die BewohnerInnen
der Stadt und ihrer Umgebung. Dieser historische Rundgang wurde auf der
Basis schon vorhandener Forschungsergebnisse entwickelt und stellt eine
Zusammenschau der Publikationen zur Geschichte der Stadt und der Region
unter dekonstruktivistischen Gesichtspunkten dar, das heißt es soll
deutlich werden, daß Geschichte von der Wissenschaft gemacht wird und
selbst harte Daten und Fakten immer einer subjektiven Interpretation
unterliegen.
Das Museum verfügt über umfangreiche und zum Teil sehr wertvolle Bestände.
Als Beispiel seien hier eine der größten geschlossenen
Zunfttruhensammlungen Europas, gefüllt mit Originaldokumenten, eine Reihe
von vor- und frühgeschichtlichen Fundgegenständen (etwa einen “Negauer
Helm”) oder die “Sammlung Richard Prettner” (ca. 5.000
Glasplattennegative eines Privatfotographen) genannt. Diese Objekte
werden in einer inszenierten Ausstellung den BesucherInnen präsentiert. Für
diesen gestalterischen Leitgedanken steht stellvertretend die Brücke, die
nicht nur den ehemals getrennten vorderen Gebäudetrakt des Museums mit
dem hinteren verbindet, sondern als Symbol für Völkerverständigung und
Aufbruch steht.
Das Konzept sprengt den Rahmen eines traditionellen Regionalmuseums
nicht nur philosophisch durch seine Orientierung an einem
konstruktivistischen Geschichtsverständnis, sondern auch räumlich, indem
es den klassischen Museumsraum erweitert: In Anlehnung an die französischen
“Eco-Museen” stellt es modellhaft Bezüge zwischen verschiedenen
regionalen kulturhistorischen, ökonomischen, sozialen und/oder naturräumlichen
Entwicklungen und Bedingungen her. Dazu verbindet es den zentralen
Museumsstandort - in unserem Fall das Stadtmuseum - mit relevanten
“Bezugsorten” im Umland über Außenstellen, sogenannten Antennen, um
eine regionale Vernetzung herzustellen. Im Museum werden verdichtete
Verweise auf bestimmte städtische und außerstädtische Entwicklungen
gegeben, um die BesucherInnen anzuregen, auch die Stadt und ihre Umgebung
- durchaus in einem grenzüberschreitenden Sinn - zu erkunden.
Solche “Antennen” sind etwa die vor- und frühgeschichtlichen Fundplätze
in Hummersdorf, Tieschen und Grössing, das Römerzeitliche Museum
Ratschendorf, das Pokrajinski muzej Murska Sobota oder eine Reise zu
Kunstwerken des spätmittelalterlichen Künstlers Johannes Aquila in
Slowenien, Ungarn und Österreich. Die Antenne “Handel - Handwerk -
Gewerbe” verweist auf traditionelle Handwerksquartiere in der Stadt und
moderne Formen früherer handwerklicher Fertigung in Gewerbebetrieben.
Neben einer ständigen Ausstellung bietet das Museum Platz für
kulturelle Aktivitäten jeglicher Art (Wechselausstellungen, Konzerte,
Lesungen, Seminare etc.). Insofern versteht sich das “Museum im alten
Zeughaus” als ein Ort der Kommunikation.